Candy Dulfer & Friends: Die amtliche Dosis Funk, Soul und R&B
Auf Europa-Tour mit Freunden: „Candy Dulfer & Friends” bereichern in diesem Sommer die europäischen Festivals – darunter das sechstägige Zeltspektakel der Kulturinitiative Rock in Winterbach. Am Donnerstag, 19. Juli, ist die niederländische Saxophonistin Gast beim Winterbacher Zeltfestival und mit ihr eine außergewöhnliche Gruppe von Musikerinnen und Musiker, mit denen sie zuvor schon bei verschiedenen Formationen gearbeitet hat: Chance Howard (vocals, keyboards) aus dem Kreis der Auserwählten um Prince, dem Candy Dulfer (sax, vocals) ebenfalls schon angehört hat, Kirk Johnson (drums) und Rhonda Smith (bass, vocals), die mit Prince gespielt, aber auch Solo-Erfolge aufzuweisen haben, Thomas Bank (keyboards), Ulco Bed (guitars), Berget Lewis (vocals) und die als eine der weltbesten Sängerinnen angekündigte Rosie Gaines.
Die Tour von Candy Dulfer & Friends verspricht Konzerte mit der richtig bemessenen Dosis von Funk, Rhythm and Blues und Soul. Shows mit erhebender Kraft, in denen nicht nur Candy Dulfers jazzig funkiger Soul-Stil zur Geltung kommt, sondern auch das individuelle Können aller Bandmitglieder.
Candy Dulfer ist ein Phänomen. 1969 geboren, gründete sie schon als 14-Jährige ihre erste eigene Band. Deren Name stand für das, was die Saxophonistin fürderhin abliefern sollte: „Funky Material“. Und das Zeug war von so guter Qualität, dass sich auch ein Herr Prince nur einmal erlauben konnte, der Niederländerin die kalte Schulter zu zeigen: Auf ihre wütende Reaktion antwortet er mit der Einladung zu Proben. Candy Dulfer überzeugt, eine lang anhaltende künstlerische Zusammenarbeit beginnt. Die selbstbewusste Musikerin möchte indes unabhängig bleiben und mit eigener Band neue Wege ausprobieren. Den Durchbruch schafft sie mit dem Titelsong zum gleichnamigen Film „Lily Was Here“. 1990 erscheint Dulfers erstes Solo-Album „Saxualilty“. Mit ihm wird sie in der Kategorie „Bestes Pop-Album Instrumental“ für einen Grammy nominiert. Es folgen: Kooperationen mit Van Morrison, Jazz-Festival in New York, erneut Prince (zusammen mit Larry Graham und Chaka Khan) und natürlich Festival in Montreux, von wo sie einen Live-Mitschnitt mitbringt. Im vergangenen Jahr hat wieder einmal Prince gerufen: „When I need sax, I call Candy“, soll er einmal gesagt haben: Auf dem Album „3121“ stammen die sax-parts von Candy.
MACEO PARKER
Es ist unmöglich zu sagen, was zuerst da war: Maceo oder der Funk. Der unglaubliche P-Funk Parker ist auf der Bildfläche mit seinem legendärem Alt-Saxophon seit den frühen 60ern.
Maceo Parker wurde 1943 geboren, und wuchs in Kingston, North Carolina auf. Hier sind seine Wurzeln, auch wenn er überall auf der Welt die Mengen begeistert. Parker erzählt von der Zeit als er ein kleiner Junge war, dass die Musik der Kirche eine Art Mittel seiner finanzschwachen Eltern war, für ein glückliches Familienleben. „Ich meine, wir haben die ganze Zeit gesungen, und das hat dazu beigetragen, dass alles OK für uns war“. Maceo nahm erstmals mit elf Jahren das Saxophon in die Hand und zielte schnell in eine andere Richtung als viele Charlie „Bird“ Parker Nachahmer. Maceo webte ein komplexes Funk¬gebilde, in dem er sein Horn eher wie ein Schlagzeug, als ein melodisches Instrument spielte. Das Ergebnis ist ein verrückter, perkussionistisch klingender Stil, der jeden in Hörweite zum ekstatischen Mitfiebern treibt. Mit Sicherheit beherrscht niemand die Art des funky Alt-Saxophon Spiels so wie Maceo Parker – und vielleicht wird es auch nie wieder so jemanden geben.
In den 60-ern und 70ern stärkte Maceo auf der Bühne den Rücken des strikten und autoritären Bandleaders James Brown, aber er begann auch als Sideman bei George Clinton von Parliamen/Funkadelic. Die Clinton-Gigs waren legendäre Auftritte, kaum von opulenten Theater-Shows zu unterscheiden, waren immer wie eine riesige Party „live on stage“. Maceo bekam von den beiden unterschiedlichen Bandleadern das jeweils Beste mit und so einen Geschmack, was gut ist. So hatte er einen Plan, als es daran ging, sein eigenes Ding zu machen: „Schnapp dir die besten Musiker (einige von ihnen kamen aus den Bands von Brown und Clinton), und gib ihnen einen festen Job in der funktionalsten und spaßigsten Besetzung aller Zeiten“. Der Plan funktionierte, Maceos Konzerte sind immer wieder ausverkaufte Partys vor Kids und jungem Publikum aber eben auch “alteingetanzten Stammgästen”, die seit über 20 Jahren immer wiederkommen.
Maceo, „bewaffnet“ mit seinem Alt-Sax, trat über diese Jahre aber auch mit etlichen Freunden und Kollegen auf, beziehungsweise ging mit ihnen ins Studio. Um hier nur einige Namen zu nennen:
Ray Charles, Deee-lite, Jane’s Addiction, Keith Richards, Ten Thousand Maniacs, Red Hot Chili Peppers, Dave Mathew Band und Ani Di Franco.
Di Franco, die Meisterin des Folk-Funks, sagt über Maceo: „a Buddha with a saxophone.“ Seine Teilnahme an der Prince Musicology-Tour (übrigens die weltweit erfolgreichste Tournee des Jahres 2004) brachte ihm erst kürzlich den Titel „Lehrer“ von Prince ein, obwohl „Dekan des Funk“ vielleicht eine bessere Bezeichnung gewesen wäre.