"Stuttgarter Zeitung"  vom Dienstag, 20.Julil 2004

Jetzt können die Fans ruhig in Winterbach "einfallen"
Nach anfänglichem Bangen, ob der Vorverkauf fürs Zeltspektakel auch floriert, kann die Kulturinitiative Rock jetzt aufatmen

WINTERBACH. Morgen geht es los: Gianna Nannini macht den Auftakt zum 4. Winterbacher Zeltspektakel. Fünf Tage lang ist in dem Flecken die Welt zu Gast. Bis zu 2500 Zuschauer pro Veranstaltung werden erwartet.
Von Kathrin Wesely
Mittwoch Gianna Nannini, Donnerstag Gerhard Polt mit den Biermösl-Blosn, Freitag Bap, Samstag Jethro Tull, Sonntag Hubert von Goisern. Für den Verein Kulturinitiative Rock war diese Großveranstaltung auch eine Zitterpartie: Rund 200 000 Euro hat er für Gagen, Catering, Technik, Bühne, Zelt, Kinderprogramm und die Anmietung von Dixi-Klos ausgegeben. Würde das Geld durch den Kartenverkauf wieder reinkommen? fragten sich die Vereinsmitglieder noch Anfang vergangener Woche bange. Würde das Zeltspektakel zum Flop, wären die jahrelang gezahlten Beiträge von 270 Mitgliedern und die Einnahmen zahlloser Veranstaltungen verpulvert.

Es ist gut gegangen. Der Vorverkauf lief wie geschmiert. Die Karten für Gerhard Polt und die Biermösl-Blosn sind schon ausverkauft, der Online-Ticketschalter ist bereits geschlossen. Karten gibt es jetzt nur noch an den üblichen Vorverkaufsstellen.

Die Kulturinitiative kann aufatmen, trotz der vielen Arbeit, die in den kommenden Tagen ansteht, endlich mal genießen, was sie auf die Beine gestellt hat. "Wir erfüllen uns jetzt den Traum, den wir vor 13 Jahren träumten, als wir mit der Kulturinitiative Rock angefangen haben", sagt Steffen Clauss vom Verein. Man hat sich seine Lieblingsbands in den eigenen Flecken geholt. Die meisten hat er per E-Mail angefragt. "Die Hemmschwelle ist da viel geringer, als wenn ich die Agenturen der Bands direkt anrufen muss." Außerdem kann man E-Mails auch am Feierabend schreiben, argumentiert Clauss, der als Polier bei einer Stuttgarter Baufirma arbeitet.

Die anfänglichen Animositäten im Ort haben sich längst gelegt. Der Bürgermeister ist Stammgast beim Zeltspektakel, und im Ort packt man mit an: Eine Firma hat kostenlos einen Container überführt und einen Radlader an die Zeltspektakler verliehen, der Bauhof hilft, und zahllose Winterbacher haben sich zum Bierausschenken, Würstchenverkauf und Kartenabreißen während der fünf Tage gemeldet. "Wir haben mehr Helfer, als wir einsetzen können", meint Clauss, den das Engagement sehr anrührt.

Nahe der Bühne wird es einen Biergarten geben, der jeweils von 17 Uhr an auch für Leute offen ist, die nicht zum Konzert kommen. Außerdem hat sich die Kulturinitiative für Sonntag, 25. Juli, ein umfangreiches Programm für Kinder ausgedacht, das um 11 Uhr beginnt. In die Röhre wird allerdings schauen, wer ein Zelt mitbringt, damit er das Festival über möglichst in der Nähe des Geschehens campieren kann: Auf der Wiese nebenan stehen Baumaschinen, außerdem wird dort das Erdreich umgepflügt, weil dort gerade am Remsdamm gebaut wird.

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