"Schorndorfer Nachrichten" vom Freitag, 23. Juli 2004
Das Fest im Festival: Der Biergarten als kultiger Ort
Besuchermagnet mit langer Öffnungszeit und erstmals aufwendig gestylt / BM Ulrich: Verwunderung über EnBW-Luftnummer
Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Munder Winterbach (mu).
Das Winterbacher Zeltspektakel an sich ist das eine. Aber dieser Biergarten, den die Kulturinitiative Rock ans Veranstaltungszelt angedockt hat, der ist das andere der Geheimtipp, das Fest innerhalb des Festivals und spätestens seit der Bluesparade ein kultiger Ort. Erstmals pfiffig gestaltet und räumlich als gemütliche Nische angeordnet, erweist sich diese mit 200 Garnituren bestückte Gartenwirtschaft als der Treffpunkt für Festival-Besucher und für solche, die einfach mal vorbeigucken und Atmosphäre schnuppern wollen.
Rund 100 Strohballen wurden angekarrt, mehrere überlebensgroße Strohpuppen machen den Bluesbrother und die Rockband im Halbrund, das durch die von professionellen Versorgern betriebenen Essen-Stationen gesäumt wird. In diesem Rondell ist gut sitzen. Als am Mittwoch Gianna Nannini die einen hellauf begeisterte und die an deren mit hängenden Köpfen zurückließ, waren die Bänke im Rock-Rondell nicht etwa verwaist, sondern zeitweise fast so zahlreich besetzt wie die Viermaster-Arena. Und als der italienische Stargast nach unerwartet kurzem Auftritt schon längst mit der Luxuslimousine die Kurve gekratzt hatte, da bog der Biergarten-Betrieb noch lange nicht auf die Zielgerade ein, sondern hielt die Menschen locker bis nach Mitternacht im angenehm kühlen Wiesengrund.
Lange Abende im kühlen Wiesengrund und ein Kinder- und Familientag mit viel Programm am Sonntag
Um 17 Uhr beginnt auch heute wieder der Betrieb in der Freiluft-Kneipe. Morgen ist um 16 Uhr Start und am Sonntag, da brummt's schon ab 11 Uhr im Schatten der Pappeln und unter den großen Sonnen schirmen: Der Tag ist zum „Kinder- und Familientag“ ausgerufen, bei dem auf der Wies'n hinter der Firma Peter Hahn der Musikverein Trachtenkapelle Winterbach zum Frühschoppen die Konterklänge zum Vorabend mit E-Gitarren (Jethro Tull, Randy Hansen, Lash) setzt. Geboten wird im Lauf des Sonntags ein Luftballonwettbewerb, Brettspiele unter Anleitung, Kinder schminken, Basteln von Musikinstrumenten, Hüpfburg, Spielecke und ein mit Strohballen umrandeter großer Sandkasten mit Spielsachen. Um 14 Uhr gibt es ein „Konzert zum Mitmachen“ mit Jenny Thoms. Nicht nur allgemein der Festival- und Biergarten-Besuch zeigt, dass hier ein Flecken hinter der Veranstaltung eines seiner Aushängeschilder steht, sondern gerade auch das Sonntagsprogramm, zu dem außer dem Musikverein auch der Förderverein Lehenbachschule und der Kindergarten Schafacker beitragen.
Die übergreifende und selbstverständliche Unterstützung für die längst als feste Größe im Ort vereinnahmte Kulturinitiative drückt sich zudem im Einsatz des DRK- Ortsvereins aus, dessen Helferinnen und Helfer ständig und ohne Rechnung Dienst auf dem Festivalgelände schieben, und im Dabeisein der Feuerwehr, die dem Veranstalter bei der Parkplatzeinweisung zum gleich günstigen „Tarif“ ebenso eine personalintensive Aufgabe abnimmt.
Schultes an EnBW: Zaster für Zeppelin
Unverhofft kommt vielleicht sogar noch ein zusätzlicher „Sponsor“ fürs Zeltspektakel ins Spiel: der Energiekonzern EnBW. Der hat vorgestern seinen Gas-Zeppelin in geringer Höhe über Winterbach zuckeln lassen und nach Dafürhalten des verwunderten Bürgermeisters Albrecht Ulrich die Nähe von rund 2.500 Besuchern des Zeltspektakel-Auftakts „genutzt“. Nicht nur das: Der Zeppelin-Zwitter hat eine Zwischenlandung hingelegt auf gemeindeeigenem Grundstück und dies „ohne Genehmigung“. BM Ulrich hat all diese Beobachtungen schriftlich der EnBW-Geschäftsleitung mitgeteilt - verbunden mit dem Hinweis, dass es seiner Meinung nach nicht angehe, ohne kommunales Einverständnis „einen Standortvorteil auf unserer Markung“ in dieser Weise zu nutzen. Für Ulrich ist der Vorfall erst dann aus der Welt, wenn EnBW seinen Vorschlag annimmt, „kurzfristig“ 2.500 Euro an die Kulturinitiative Rock zu überweisen. Ulrich: „Die Angelegenheit wäre für uns damit erledigt.“