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Hubert von Goisern - TRAD Tournee
Es war eine Klausur, ein Kloster fast, und deshalb auch fand Hubert von Goisern nichts dabei, sein gesamtes Studio auf den Krippenstein zu schleppen, 2100 Meter hoch am Dachstein-Massiv. Er schleppte es nicht nur einmal hinauf – drei Mal insgesamt machten Mischpulte, Verstärker, Instrumente, Kompressoren und Filter den Weg nach oben. Der Aufwand hat sich gelohnt: „Trad II“ ist fertig, und sie ist noch atmosphärischer, noch intimer, noch hingebungsvoller geworden als die Premiere. Da war dieses leerstehende Hotel auf dem Berg, und irgendwie wußte Hubert: Das würde der richtige Ort sein für die Produktion. „Eigentlich wollten wir nur die Musik droben aufnehmen“, sagt er. „Dann sind wir für den Rest wieder hinuntergezogen nach Salzburg. Dort haben wir schnell gemerkt: Das geht nicht.“ Also wieder rauf, Postproduktion. Aber wenigstens die Mischung sollte doch im Tal gelingen? Nichts davon – zum dritten Mal wanderte das Studio nach oben. Die Musiker waren, sagt Hubert, beeindruckt „von der großen Natur, vom Gletscher, von diesem Riesenstein“. Wichtig für ihn: „Keiner konnte weg. Wenn du in der Stadt aufnimmst, fährt abends jeder heim. Hier mussten alle dableiben. Das gab eine ganz andere Intensität. Und am Ende sind wir alle mit Wehmut ins Tal gefahren.“ Aus fünf Ländern reisten die Musiker an: Aus Österreich, Italien, Deutschland, England und der Schweiz. Wichtiger als die unterschiedlichen Nationalitäten jedoch ist für Hubert das, was jeder an persönlicher Musik-Geschichte mitbrachte: „Die meisten hatten mit dieser Art Musik vorher nicht viel zu tun.“ Wann hat schon mal jemand einen Slide-Gitarristen engagiert, damit er einen Landler spiele? Eine Geige mit einem Jodler und einem Drumset gemischt? Dabei, sagt Hubert, achteten sie aber sorgfältig darauf, nichts aufzublasen, nicht überzuproduzieren: „Die Stücke sind ja fast kammermusikalisch. Da macht man schnell mal zu viel.“ Es sind Stücke, die er seit vielen Jahren kennt, die Teil seiner Lebensgeschichte sind. „Ich hör was, find´s schön, dann leg ich´s weg. Irgendwann taucht´s wieder auf“ – zum Teil sogar erst während der Produktion, da kramte er in seinen Cassetten auf der Suche nach diesem einen Landler, diesem Jodler, und am nächsten Morgen hatte die Band eine neue Aufgabe zu erledigen. Die Lieder sind grob und sentimental, verborgen erotisch und unverblümt komisch, sie klingen ehrlich, aus vollem Herzen und ganz und gar unakademisch – so, wie sie vielleicht früher gesungen und gespielt wurden, als noch keine Volksmusik-Verwalter ein für alle mal festlegen wollten, wie sich das ihrer Meinung nach gehört. Auch das merkt der Hörer: Dass die Musiker zwar mit Respekt, aber nicht mit unangemessener Ehrfurcht an die Musik herangehen. Deshalb geht es auch ein gehöriges Stück weiter als auf „Trad I“, und das ist gleich am Anfang zu hören: „Kohler“ heißt das erste Stück, nach einem archaischen Jodler setzt ein elektronischer Schlagzeug-Loop ein. Das geht – weder zerstört der Loop die Volksmusik, noch stößt sie ihn ab wie der Leib einen Fremdkörper. Organisch klingt das, andersartig in der Gleichheit und gleich in der Andersartigkeit. „Und was andere drüber denken“, sagt Hubert, „das ist uns ziemlich wurscht.“
Hubert von Goisern: "Der Zuneigung zu einer Landschaft und ihrer Volksmusik im allgemeinen und dem mir ans Herz gewachsenen Jodlern und Volksliedern im besonderen Ausdruck zugeben. Eine Zuneigung, die zugegebener Maßen nicht ohne Spannung ist. Mein Umgang mit dem Überlieferten ist daher keine Huldigung, aber immer respekt- und vor allem lustvoll. Diese Melodien sind so etwas wie die Ursubstanz meines musikalischen Ausdrucks, mein ABC in Noten, eine der Quellen, ohne die es den Strom nicht gäbe. Ich widme diese Tournee jenen unbekannten Frauen und Männern, die uns diese schlichten, aber meisterhaften Lieder geschenkt haben und ziehe meinen Hut vor Ihnen."
Besetzung:
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Hubert von Goisern: Zieharmonika/Mundharmonika/Maultrommel/Gebläse/Stimme
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Max Lässer: Gitarren / Lapsteel / Mandoline / Dobro
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Bernd Bechtloff: Schlagwerk/Blechdosen/artverwandteGeräusche
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Monika Drasch: Geige/Stimme
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Arnulf Lindner: Kontrabass
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